In der Vergangenheit habe ich, wie die meisten Menschen, so einige Höhen und Tiefen durchgemacht. Im Moment befinde ich mich auf dem mühseligen Anstieg aus einer besonders tiefen Talsohle, wenngleich ich behaupten möchte, dass ich knapp 80% des Weges bereits hinter mir gelassen habe und die Anhöhe bereits deutlich erkennbar in Sichtweite ist.
Altlasten und Narben schleppt man ein Lebenlang mit sich herum, und komischerweise gibt es kein wirklich passendes Gegenstück zur Narbe – es gibt keine “nicht-Narbe”, sozusagen. Wenn man so will gibt es nur Unversehrtheit, und mit der Zeit bekommt diese Unversehrtheit Kratzer.
Zumindest in meiner Wahrnehmung haben mich in meinen jungen 26 Jahren die “negativen” Erfahrungen wesentlich stärker geprägt, als die “positiven.” Sei es, dass ich nahestehende Menschen verloren habe, oder dass ich orientierungslos war und neu anfangen wollte – all diese Dinge sind wesentlich deutlicher in meinem Bewusstsein, als die vielen Erfolge und die vielen schönen Momente, die ich bisher hatte.
Gleichwohl befinde ich mich erneut an so etwas, wie einem Scheidepunkt – einer Weggabelung auf dem immer noch recht steilen Anstieg. Und ich sehe einen Weg, der mit Sicherheit weiter nach oben führt, für den ich aber einige Mühen in Kauf nehmen muss. Der andere Weg geht erstmal seitwärts und man kann nicht erkennen, ob er nicht letztendlich doch wieder ins Tal zurück führt. Dies ist der einfache Weg, der Weg ohne klares Ziel.
Keine Frage, ich werde den Weg nach oben nehmen. Ich habe klare Ziele und habe einen starken Willen. Ich bin “kampferprobt” und motiviert, und bisher bin ich jedes Mal wieder aufgestanden, wenn ich hingefallen bin. Die schlimmsten Wunden sind verheilt, die schwierigsten Pässe liegen hinter mir. Und so strebe ich jetzt nach dem absoluten Personal Turnaround, nach einem Wandel in meinem Leben, um endlich an dem Ort anzukommen, nach dem ich mich schon lange so sehr gesehnt habe.
Wenn ich die Anhöhe endlich erreicht habe, kann ich mich wieder meinen langfristigen Zielen widmen; kann womöglich befreit über die grünen Wiesen des Lebens spazieren. Die langfristigen Ziele sollten jedermann zumindest in ihren Konturen klar sein. Meistens weiß man, was man nicht will – gerade, wenn es einem schlecht geht. Viel wichtiger ist es jedoch, sich die Frage zu stellen, was man will, um nicht komplett orientierungslos umherzuirren.
Ich möchte langfristig irgendwo sesshaft werden, mich wieder irgendwo zu Hause fühlen; möchte mein Promotionsstudium zu Ende führen; möchte neue Sprachen lernen und neue Orte entdecken; möchte innere Ruhe finden. Dafür muss ich noch einiges von dem holprigen Pfad hinter mir lassen, mein Leben in Angriff nehmen und hart an mir arbeiten – eben den Turnaround schaffen.
Für den Turnaround habe ich mir viele Ziele gesetzt. Mens sana in corpore sano, heißt es; und so besteht ein Großteil des Turnarounds darin, dass ich gut zu meinem Körper bin. In der Vergangenheit wollte ich oftmals zu viel in zu kurzer Zeit, weshalb ich diesmal versuche, mir Zeit für die letzte Anhöhe zu nehmen. Zudem sind einige Ziele im ersten Schritt noch unkonkret und allgemeiner Natur und werden erst mit der Zeit konkreter. Wichtig ist, dass man sich gut fühlt und dass Dinge, die vom Grundsatz her richtig sind, nicht als übermäßiger Zwang empfunden werden. So heißt beispielsweise ein Ziel “weniger Kaffee trinken” und nicht “gar keinen Kaffee mehr trinken” oder “nur 3 Tassen pro Tag.” Dies erlaubt mir die notwendige Flexibilität, in schwierigen Phasen nicht noch mehr unter Druck zu geraten, als ich es ohnehin schon bin.
Nichts desto trotz ist das Projekt sehr anspruchsvoll. Ich arbeite momentan ca. 60-70 Stunden in der Woche, bin i.d.R. 4 Tage in der Woche geschäftlich unterwegs und fühle mich derzeit permanentem Stress ausgesetzt, beruflich wie privat. Eine conditio sine qua non für den Turnaround ist demnach, den Stress effektiv gemanagt zu bekommen und den notwendigen Freiraum für Regeneration und Entspannung zu schaffen. Zudem ist die Lebenszeit zu schade, um sie komplett im Büro und im Hotel zu verbringen. Im zweiten Schritt möchte ich es deshalb schaffen, Freiraum für Genuß, Muße und Anregung zu schaffen.
Der Turnaround und auch dieses Blog sind in erster Linie ein privates Projekt. Ich möchte niemandem etwas beweisen und ich suche auch keine Selbsthilfegruppe. Ich möchte lediglich mein Projekt für mich und andere dokumentieren und meine Gedanken hierzu aufschreiben. Wenn Sie möchten, können Sie mich jedoch auf dem Weg nach oben begleiten.