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Archive for the ‘Zeitmanagement’ Category

Als ich noch in den USA lebte, hörte ich eines Tages einen Beitrag im Radio, in dem ein Universitätsprofessor von der Kunst der Structured Procrastination erzählte, also dem „strukturierten Aufschub“ von Tätigkeiten. Da ich selber nur allzu gerne Aufgaben solange aufschiebe, bis sie sich einfach nicht mehr vermeiden lassen, fühlte ich mich gleich angesprochen.

Die Kunst besteht laut John Perry darin, in der Zeit, in der man vor der Erledigung einer vermeintlich wichtigen Aufgabe flüchtet, einfach weniger dringliche und weniger wichtige Aufgaben zu erledigen. Irgendwann käme dann mit Sicherheit eine Aufgabe, die noch wichtiger und dringlicher sei, als die ursprünglich wichtigste, und vor der man sich erneut zu drücken versuchen möchte – spätestens dann kann man sich der ursprünglichen Aufgabe widmen, um nur ja nicht die neue Aufgabe erledigen zu müssen.

Der Trugschluss, laut Perry, läge darin, die Gesamtzahl an Aufgaben reduzieren zu wollen – denn dann wäre die einzige Option, sich vor vermeintlich wichtigen Aufgaben zu drücken das Nichtstun. Und genau dies sei der Fehler vieler Menschen; statt sich in Aufgaben niedrigerer Priorität zu flüchten und immerhin noch produktiv zu sein, flüchten sich viele Procrastinator ins Nichtstun.

Sicherlich ist dieses Lebenskonzept nicht in allen Lebenslagen anwendbar. Ich habe täglich zig Deadlines, habe jeden Tag mehrere Kundengespräche und muss diese Vor- und Nachbereiten. Und ich habe nicht die Unabhängigkeit eines amerikanischen Universitätsprofessors mit Tenure, der zudem noch eine exzellente fachliche Reputation besitzt.

Gleichwohl sollte man sich die Grundhaltung zu eigen machen und den vermeintlich wichtigen Dingen mit mehr Gelassenheit begegnen. Ich habe seinen Essay jedenfalls gerade wieder ausgegraben und habe genauso viel gelacht wie damals, als ich Perry im Radio hörte.

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